Klimawissen

Das Thema Klimawandel ist komplex und die Möglichkeiten des Klimaschutzes sind umfangreich. In der Rubrik "Klimawissen" präsentieren wir Ihnen wichtige Themen und aktuelle Studien rund um die Klimaforschung.


Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft – ein Erfolgsrezept für die Klimabildung

Viele von uns beschäftigen sich in ihrer täglichen Arbeit zu einem großen Teil mit Klimabildung. Sei es in der Planung, Konzeption oder Umsetzung. Ziel dabei ist es die Menschen über die Möglichkeiten einer nachhaltigen sowie umwelt- und klimaschützenden Lebensweise zu informieren und sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen. Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen, dass Wissen und Problembewusstsein über die Klimakrise vorhanden ist und die Menschen sich den ökologischen Herausforderungen bewusst sind (Kranz et al. 2022). Dies äußert sich in klima- und umweltfreundlichen Einstellungen und freiwilligen Veränderungen des individuellen Konsumverhaltens. Ein großer Erfolg, denn jede Verhaltensänderung stellt einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz bei.

Allerdings geht aus den Erkenntnissen des 6. IPCC-Berichts hervor, dass selbst wenn alle Menschen sehr konsequent klimaschützende Maßnahmen ergreifen würden, die Effekte nicht ausreichen, um das im Pariser Abkommen vereinbarte Ziel von 1,5°C globaler Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (1950) zu erreichen. Die größten CO2-Einsparungspotentiale liegen nämlich auf öffentlicher und politischer Ebene. Zwar stellen individuelle Änderungen im Konsumverhalten und die Schaffung dafür notwendiger Rahmenbedingungen einen wesentlichen Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität dar, jedoch hängen viele individuelle Maßnahmen von politischen Rahmenbedingungen ab. Ist beispielsweise kein öffentlicher Nah- oder Fernverkehr am Wohnort vorhanden, so bleibt es den Menschen trotz bester Absichten verwehrt, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern. Eine ähnliche Problematik ergibt sich für den Stromverbrauch. Während die tatsächlich wirkungsvollste Maßnahme das Stromsparen ist, kann durch die Wahl des Stromversorgers kein großer Effekt erzielt werden. Denn solange sogenannte konventionelle Energieträger (Kohle, Mineralöl, Kernenergie, Erdgas) noch zwei Drittel des Primärenergieverbrauchs in Deutschland (Stand 2020, AG Energiebilanzen e.V.) ausmachen, ist es auch in diesem Sektor schwierig für Verbrauchende, vor allem in Mietobjekten, einen selbstbestimmten und effektiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. In diesen Fällen müssen klimapolitisch wirkungsvolle Maßnahmen von der Politik ergriffen werden und die Aufgabe der Gesellschaft ist es sie einzufordern.

Genau an dieser Stelle deckt die kürzlich veröffentlichte Studie von Kunz et al. 2022 die Schwachstelle der aktuellen Klimabildung auf: „Die Klimakrise ist politisch – Klimabildung häufig nicht“. Anstelle einer einseitigen Betonung von Anpassung des privaten Konsums und individuellen Verhaltensweisen, sollte eine wirksame Klimabildung die Bedeutung politischer Entscheidungen für den Klimaschutz und die Anpassung an Klimawandelfolgen vermitteln und Menschen zur klimapolitischen Teilhabe befähigen.

Die systematischen Literaturanalyse mit 75 Interventionsstudien aus 17 Ländern zeigte jedoch, dass zentrale Aspekte der Klimapolitik, wie das 1,5°C-Ziel, die IPCC-Sachstandsberichte oder Klimagerechtigkeit in den untersuchten Interventionen nur selten behandelt werden. Im Vergleich zu Klimaschutz werden Folgen des Klimawandels oder auch Anpassungsmaßnahmen ebenfalls kaum thematisiert. Die Autor*innen kommen daher zu dem Entschluss, dass Klimabildung in dieser Hinsicht nicht mit dem aktuellen Diskurs der Klimawandelforschung korrespondiere. Der Leiter des Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen, Dr. Matthes formuliert folgende Schlussfolgerung: „Die Klimakrise erfordert damit eine umfassendere Form der Kommunikation, die Menschen dazu befähigt, politisches Wissen und Handeln als Ausdruck eines ganzheitlicheren Verständnisses der Klimakrise zu entwickeln“. Um die hilfreichen Erkenntnisse der Studie direkt in die Praxis umsetzen zu können, geben die Autor*innen folgende Handlungsempfehlungen:

sozialwissenschaftliche Aspekte zu sozialen und wissenschaftlichen Themen transformieren:

Laut Studienergebnissen werden liegt der Fokus in der Klimabildung auf den naturwissenschaftlichen Grundlagen der Klimaforschung. Der soziale Aspekt hingegen wird vernachlässigt oder gar weg gelassen. Um Zielgruppen jedoch ein ganzheitliches Verständnis der Klimakrise zu vermitteln sind beide Perspektiven erforderlich.

alle Emissionsquellen in der Lehre berücksichtigen:

Für eine umfassende Klimabildung sollten alle Emissionssektoren berücksichtigt werden. Diese können idealerweise mit den entsprechenden Curricular verknüpft werden: Kohleverbrennung in der Landwirtschaft, erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Emissionen der Industrie etc. Diese Verknüpfungen hilft den Lernenden wissenschaftliche Erkenntnisse mit Problemen aus dem Lebensalltag zu verknüpfen.

Verminderungs- und Adaptationsstrategien unterrichten:

Die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels ist nur eine von drei Kategorien des IPCC Berichts*. Die anderen beiden beschäftigen sich mit Verminderungs- und Anpassungsstrategien. Diese Aufteilung wäre beispielsweise ein guter Einstieg für die Klimabildung. Denn häufig werden genau diese Strategien in den Medien und der Politik diskutiert; weniger bis gar nicht die naturwissenschaftlichen Grundlagen. Daher sollte der Fokus in der Klimabildung entsprechend verschoben werden, um Kinder und Jugendliche für die öffentlichen Diskurse vorzubereiten, sie zu verstehen und zur Teilhabe zu befähigen.

*Eine übersichtliche Zusammenfassung des aktuellen IPCC-Berichts finden sie beispielsweise hier.

Verantwortung in der Öffentlichkeit übernehmen:

Jeder Mensch kann etwas zum Klimaschutz beitragen und jeder Beitrag zählt! Jedoch kann mit individuellen Verhaltensänderungen allein das Ziel der Erderwärmung von maximal 1,5° C nicht erreicht werden. Studienergebnisse der systematischen Literaturrecherche zeigen, dass sich vor allem kollektive Aktionen der Öffentlichkeit als sehr wirksam und effizientes Mittel für den Klimaschutz erweisen.

Klimabildung sollte die politischen Kompetenzen der Lernenden stärken:

Schüler*innen sollten alle erforderlichen Fähigkeiten erwerben können, um an öffentlichen Diskussion über den Klimawandel teilzunehmen. Voraussetzung hierfür ist die Kompetenz für unabhängiges und reflektiertes politisches Denken und Handeln. Geeignete Methoden, um einen Perspektivwechsel zu bearbeiten sind Rollenspiele, fächerübergreifende Diskussionen und Debatten, Planspiele oder Expertengespräche. Solche Methoden sind in den untersuchten Interventionsstudien unterrepräsentiert.

Klimagerechtigkeit sollte nicht nur in sozialen Medien, sondern auch in Schulen thematisiert werden:

Klimagerechtigkeit spielt eine zentrale Rolle für Lernende und ihr politisches Engagement zur Verminderung und Adaptation des Klimawandels. Da Klimagerechtigkeit in den Bildungsprogrammen unterrepräsentiert ist, erhalten Schüler*innen ihr Wissen über die sozialen Medien und ihre Peer-Gruppen. Klimabildung sollte hier für ein fundiertes Grundlagenwissen über die Perspektiven und Herausforderungen der Klimagerechtigkeit sorgen.


Die Planeten-Diät

Während in Deutschland jährlich ca. 11 Millionen Tonnen (Stand 2020), also ein Drittel aller Lebensmittel, in der Mülltonne landen, sind weltweit 2 Milliarden Menschen unterernährt. Alle 13 Sekunden stirbt ein Kind unter 5 Jahren an den Folgen von Hunger. Bei wachsenden Bevölkerungszahlen wird dieses Ungleichgewicht größer, gleichzeitig steigt die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Es muss also dringend etwas geändert werden, um auch 2050 alle Menschen dieser Erde nachhaltig und gesund zu ernähren. Dies ist das oberste Ziel des 2019 veröffentlichten Reports der EAT-Lancet-Kommission, einem 37-köpfigen Rat aus Klima- und Ernährungswissenschaftler*innen aus 16 Nationen. Der Bericht basiert auf umfassenden Literaturrecherchen, anerkannten Ernährungsempfehlungen und Ergebnissen der Gesundheitsforschung. Die wichtigste Botschaft des Berichts ist der enge Zusammenhang zwischen unserer Ernährungsweise und damit unserer Gesundheit und der planetaren Gesundheit. Anders formuliert: Essen wir nur so viel, wie auf der Erde möglichst natürlich produziert wird, bleibt sowohl der Mensch als auch die Erde gesund. Neben dem wissenschaftlich fundierten Speiseplan, als Referenzrahmen für eine nachhaltige Ernährung, schlägt die Kommission 5 Strategien zur Umsetzung der Ernährungswende vor.

Eine ganzheitliche Ernährungsagenda im Anthropozän stellt heraus, dass die Ernährung eine untrennbare Verbindung zwischen der Gesundheit der Menschen und der Nachhaltigkeit der Umwelt darstellt. Das globale Ernährungssystem muss innerhalb der Grenzen der menschlichen Gesundheit und der Lebensmittelproduktion agieren, um eine gesunde Ernährungsweise mit nachhaltigen Lebensmitteln für knapp 10 Milliarden Menschen in 2050 sicherzustellen. Quelle: Summary Report of the EAT Lancet Kommission, S.5.

Zunächst gehen wir aber nochmal einen Schritt zurück und fragen uns, was sind die wesentlichen Ursachen dieser besorgniserregenden Lage? Tatsächlich ist unsere Ernährungsweise einer der stärksten Treiber des Klimawandels. So wurde im Jahr 2019 etwa ein Drittel der Landfläche weltweit landschaftlich genutzt (©Statista, 2022). Über die Hälfte (56,4%) der Klimagasemissionen der Landwirtschaft entstehen jedoch in der Nutztierhaltung (UBA, 2021). Wer beispielsweise 1kg Rindfleisch kauft, erwirbt zeitgleich mehr als 15.000 Liter verbrauchtes Wasser (FAO, 2020). Mit unserem aktuellen Konsum- und Ernährungsverhalten sind die ökologischen Belastungsgrenzen der Erde bereits erreicht. Das gilt vor allem für die in der Nahrungsversorgung wichtigen Faktoren wie Wasser, Land, biologische Vielfalt, Klima, Stickstoff und Phosphor. Werden die Grenzen überschritten ist die Stabilität des Ökosystems und damit die Lebensgrundlage für Mensch und Tier in Gefahr.

Unsere Ernährungsweise ist aber nicht nur umwelt- und klimaschädlich, sondern auch gesundheitsschädigend. Weltweilt sind mehr als 2 Milliarden Menschen, also jeder 4. Mensch, übergewichtig oder sogar fettleibig. Damit steigt auch das Risiko chronischer Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen an. Groteskerweise sind ebenso viele Menschen unterernährt. Ein Ernährungswandel nach dem Modell der planetaren Gesundheitsdiät könnte jedes Jahr 11 Mio. vorzeitige Todesfälle durch ernährungs(mit)-bedingte Erkrankungen vermeiden und durch klimaschonende Verfahren in der Landwirtschaft 10 Mrd. Tonnen Treibhausgase einsparen (EAT-Lancet Kommission, 2019). Der tägliche Speiseplan dieser Empfehlung sollte zur Hälfte aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse bestehen. In geringen Mengen können Fisch, Meeresfrüchte und Geflügel konsumiert werden. Der Verzehr von rotem Fleisch, Zucker, Milchprodukte oder stärkehaltige Gemüsesorten (z.B. Kartoffeln) sollte sehr stark reglementiert werden. Die Mengenangaben sind an die Bedingungen verschiedener geographischer Situationen angepasst.

Quelle: EAT Lancet Kommission

Doch es sind noch weitere Veränderungen für die Umsetzung der globalen Ernährungswende erforderlich. Allen voran steht die Lebensmittelverschwendung. Hier kann jede*r von uns etwas tun. Auf dem Weg vom Acker bis zum Teller geht weltweit etwa ein Drittel (1,3 Mrd. Tonnen) der Lebensmittel verloren, die für die menschliche Ernährung produziert werden. In Deutschland sind es 11 Millionen Tonnen, die jährlich im Müll landen. Davon geht mehr als die Hälfte auf die privaten Haushalte zurück (s. Abbildung)!

Das Ziel ist es die Lebensmittelabfälle zu halbieren. Lebensmittelverluste während der Lebensmittelproduktion sind mehrheitlich in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu verzeichnen. Vorrangige Gründe sind eine schlechte Ernteplanung sowie die fehlende Infrastruktur, um Lebensmittel zu lagern und zu verarbeiten. Diesen Problemen könnte mit Investitionen in die Ausbildung und entsprechende landwirtschaftliche Technologien begegnet werden. Lebensmittelverschwendung durch den Handel und die Verbraucher*innen wird hingegen in erster Linie in Ländern mit hohem Einkommen verursacht. Die Änderung von Einkaufsgewohnheiten, Aufklärung über Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum,  eine schonende Lagerung und Zubereitung sowie angemessene Portionsgrößen stellen hierbei wichtige Einflussgrößen und Handlungsmöglichkeiten dar.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Konzept der „true costs“ (Bezahlbarkeit) von Lebensmitteln. Hierbei sollen sogenannte Gesundheitskosten, die durch beispielsweise Stickoxide, Feinstaube und Treibhausgase während der Lebensmittelerzeugung entstehen, sich im Preis der Lebensmittel widerspiegeln und somit eine gesündere Ernährung zu fördern. Andernfalls setzt sich der derzeitige Teufelskreis fort: Lebensmittel erscheinen günstiger, als sie eigentlich sind, weil die wahren Kosten nicht auf dem Preisschild stehen. Automatisch kaufen wir mehr davon ein. So kommt es, dass immer weiter die Lebensmittel produziert werden, die uns in Wahrheit teuer zu stehen kommen. Auch wenn der Anteil an Biolebensmitteln in Deutschland steigt, werden über 90% unserer Lebensmittel konventionell hergestellt (BMEL, 2021).

Zu den weiteren umsetzbaren Strategien für das Gelingen der Ernährungswende zählt der Umbruch von Monokulturen und Quantität hin zu Qualität und Vielfalt in der Landwirtschaft in Verbindung mit einer nachhaltigen Produktionssteigerung, sowie strengere Vorgaben zur Nutzung von Land und Meer. Letzteres führt sowohl zur Verbesserung der ökologischen Balance und als auch zur Ermöglichung der Lebensmittelversorgung.

Werden Sie direkt aktiv und setzen sich auf lokaler Ebene für eine Ernährungswende ein!


Klimakommunikation

Was läuft schief?

In den Medien ist der Klimawandel in verschiedensten Zusammenhängen omnipräsent. Dennoch fühlt sich ein Großteil der Bevölkerung nicht angesprochen. Ein Grund dafür ist die häufig zu wissenschaftliche Formulierung. Wenn beispielsweise, wie kürzlich im neuesten Bericht des Weltklimarats (IPCC), von statistischen Unsicherheiten gesprochen wird, stellt dies für ForscherInnen einen Teil des wissenschaftlichen Berichts dar. Bei vielen Menschen löst es jedoch Verunsicherung über die Fakten, das Auftreten und das Ausmaß des Klimawandels aus. Trotz der Vielzahl an Information darüber, welche gravierenden Auswirkungen der Klimawandel hat, wird er nicht als dringendes Problem wahrgenommen und einige widmen sich stattdessen lieber anderen angenehmeren Themen. Dieses Verhalten ist nicht verwerflich, denn dahinter stecken psychologische Mechanismen, die uns davon abhalten, das zu tun, was aus rationaler Sicht notwendig wäre.

Psychologische Distanz und Barrieren

Die sogenannte »construal level theory« (Liberman&Trope, 2008) beschreibt den Zusammenhang psychologischer Distanz und mentaler Abstraktion, wann Menschen ein Thema als emotional weit entfernt erleben und sich infolgedessen weniger dafür interessieren. Dabei geht eine hohe psychologische Distanz mit einem hohen Grad an mentaler Abstraktion einher und umgekehrt. Die psychologische Distanz hat vier Dimensionen:

  • räumliche Distanz (nur für Menschen an anderen Orten relevant),
  • zeitliche Distanz (erst in Zukunft bedeutsam)
  • soziale Distanz (betrifft Personen, die anders sind als man selbst)
  • erlebte Unsicherheit.

Um mehr Menschen zu erreichen, sollte das Wissen über die psychologischen Distanz in der Klimakommun berücksichtigt werden. Die rasante Entwicklung des Klimawandels liefert mittlerweile viel Anknüpfungspunkte, um die psychologische Distanz in ihren verschiedenen Dimensionen zu überwinden. Die Flutkatastrophe im Juli 2021 im mit stark betroffenen Regionen in Rheinland Pfalz und Nordrhein-Westfalen weist weder eine räumliche, zeitliche noch soziale Distanz auf und resultierte ganz offensichtlich in einer erlebten Unsicherheit.

Ein Review über die Befunde der letzten Jahrzehnte zur Klimakommunikation zeigt neben der psychologischen Distanz noch vier weitere psychologische Barrieren auf, die uns davon abhalten für den Klimaschutz aktiv zu werden (Moser, 2016):

  1. Psychologische Distanz: Desinteresse, Vermeidung des Themas
  2. Starke Angst:                  ausweichen, anzweifeln,

rationale Gründe für Nichthandeln suchen,

Verantwortung abwälzen oder auf später verschieben

  1. Kognitive Dissonanz:      wir fühlen uns schlecht, wenn wir gegen unsere Prinzipien verstoßen
  2. Soziale Dissonanz:         Angst Freunde oder gesellschaftlichen Status zu verlieren

der Mensch möchte seinen Selbstwert schützen und seine Identität stärken: eigenes Verhalten und das der Gruppe rechtfertigen.

Es gibt zahlreiche Verhaltensmuster der kognitiven Dissonanz, das uns allen bekannt sind. So zum Beispiel: Ich kaufe eine Einwegplastikflasche, obwohl ich weiß, dass Mehrwegprodukte besser für die Umwelt sind. Um diesem unangenehmen Gefühl zu entgehen, nutzen Menschen unterschiedliche Strategien. Eine Möglichkeit ist den wissenschaftliche Konsens anzuzweifeln: Es ist überhaupt nicht belegt, dass Mehrwegprodukte weniger umweltschädlich sind. Oder das Verhalten wird als Denkfehler (confirmation bias) angesehen und alle Informationen, die nicht zum eigenen Denken und Handeln passen, werden ignoriert.

Im Zuge der sozialen Dissonanz wird eigenes umweltschädliches Verhalten und das der Gruppe gerechtfertigt, um seinen Selbstwert zu schützen und die eigene Identität zu stärken.

Wissen bedeutet nicht handeln

Wie die Praxis zeigt, ist eine weitere Problematik in der Klimakommunikation und vor allem in der Klimabildung, dass reine Wissensvermittlung weder zum Handeln noch zu Verhaltensänderungen führt. Umfragen wie die regelmäßige Umweltbewusstseinsstudie des BMUV belegen, dass die Fakten um den Klimawandel seit langem geklärt sind. Studien zufolge hat das Problemwissen einen geringen Einfluss und es scheint auf die Art des Wissens anzukommen. Denn selbst motivierten Personen ist oft nicht klar, was sie tun sollten. Daher sind Erkenntnisse darüber, was man gegen die Klimakrise unternehmen kann (Handlungswissen) und welche Strategien besonders wirksam sind (Effektivitätswissen), viel wichtiger als Details über das Problem.

So kann Klimakommunikation gelingen

Eine effektive Klimakommunikation basiert auf Wertschätzung des Adressaten und auf einer zielgruppenspezifischen Ansprache. Dabei sollte darauf geachtet werden das Selbstwertgefühl und die Bedürfnisse des Gegenübers nach Beständigkeit, Kontrolle, Kompetenz und Autonomie möglichst wenig anzugreifen.

Die Arbeitsgruppe um den Kommunikationsforscher Anthony Leiserowitz an der Yale University untersuchte 2012 in einer Studie die Fragestellung, welche Art der Kommunikation Zielgruppen anspricht, die sich bisher eher wenig für Klimaschutz interessiert haben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bereitschaft zu handeln war höher ist, wenn die Auswirkungen der Erderwärmung auf die eigene Gesundheit betont wurden. Zudem kann es motivieren, wenn sich eine für die Person wichtige soziale Gruppe bereits engagiert.

Die „vier Denkfehler der Klimakommunikation“ nach Moser&Dilling (2012) in der folgenden Abbildung veranschaulichen die wesentlichen Aspekte für eine erfolgreichere Klimakommunikation.


Klimamotivation: Was uns im Einsatz gegen den Klimawandel motiviert

Positive Zukunftsvisionen schaffen

Zahlreiche Untersuchungen aus der Motivationspsychologie legen nahe, dass es verschiedener Zutaten bedarf, um vom Wollen zum Handeln zu kommen. Es benötigt Ziele, die herausfordernd sind sowie eine möglichst große Wirkung entfalten und vor allem eine positive Zukunftsvision, für die sich die Mühe lohnt. Wichtig ist es aber auch zu verstehen, was gegenwärtige Hindernisse sind und welche Form der Motivation erforderlich ist, um ins Handeln zu kommen. Ebenso wichtig sind konkrete Ideen und Pläne, die dabei unterstützen, das eigene Vorhaben umzusetzen.

Hierbei kann die Frage „Was will ich zum Klimaschutz beitragen?“ ein erster Schritt sein. Definieren Sie wirkungsvolle, spezifische Verhaltensziele, für die Sie sich aus Ihrer Komfortzone herausbewegen. Eine wesentliche Frage für eine langfristige Motivation und Verhaltensänderung ist die Zukunftsperspektive: „Habe ich eine positive Vision von der Zukunft?“ Bedeutet Klimaschutz und eine klimagerechte Welt für mich Verzicht oder Genuss, Verlust oder Gewinn? Wie einige Forschungsergebnisse zeigen, sind Menschen motivierter sich klimaschützend zu verhalten, wenn sie dies mit positiven Konsequenzen assoziieren. Denn wir brauchen eine Vorstellung von einer lebenswerten Zukunft, für die es sich lohnt, unseren gegenwärtigen Lebensstil zu überdenken. Auf die Frage, ob ein umweltschützender Lebensstil eher mit Einbußen oder mit Zuwächsen an Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden einhergeht, gibt ein Review Antwort (Kasser et al. 2017): Je stärker Menschen sich für die Umwelt einsetzen, desto glücklicher sind sie. Eine aktuelle Metaanalyse bestätigt diesen Zusammenhang (Johnson Zawadzki et al. 2020). Unklar ist jedoch noch, was Ursache und was Wirkung ist. Macht es uns zufriedener, wenn wir weniger Ressourcen verbrauchen, genügsamer leben und das Engagement für die Umwelt uns Sinn gibt? Oder ist eigenes Wohlbefinden Voraussetzung dafür, sich für diese Ziele einsetzen zu wollen? Es ist anzunehmen, dass beide Aspekte– umweltschützendes Verhalten und Lebenszufriedenheit – von unseren grundlegenden Einstellungen und Werten abhängig sind, wobei der Fokus auf dem Gemeinwohl und nicht dem Materialismus liegen sollte.

Rückenwind und Gegenwind – was motiviert mich und was hält mich vom aktiv werden ab?

An erster Stelle steht die Erkenntnis den Klimawandel als Problem anzusehen und über die bereits eingetretenen und zukünftigen Konsequenzen informiert zu sein. Neben dem individuellen Problembewusstsein zählt aber auch, ob die Klimakrise mit dem gegenwärtigen Lebensstil in Verbindung gebracht wird. Außerdem bedarf es genügend Wissen darüber, was man gegen die Klimaveränderung sinnvollerweise tun kann.

Wie die stets wachsende und sehr erfolgreiche Bewegung „Fridays for Future“ zeigt, ist ein wichtiger Schlüsselaspekt die Identifikation mit einer bzw. sogar der globalen Gesellschaft. Was motiviert Jugendliche und junge Erwachsene, an Protesten von »Fridays for Future« teilzunehmen? Je mehr sich die Befragten mit der Bewegung identifizierten und sich den anderen Teilnehmenden verbunden fühlten, desto häufiger demonstrierten sie. Eine Studie über die Motivation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Teilnahme an Protesten der „Fridays for Future“ Bewegung zeigt, dass der einfache Kontakt, also, ob wir viel Zeit im Grünen verbringen oder ob wir Leuten begegnen, die sich im Klimaschutz engagieren, entscheidend ist (Wallis&Loy, 2021). Gleiches gilt für den globalen Aspekt. Wenn wir Personen aus Ländern besser kennen lernen, deren Lebensrealität eine ganz andere ist als die eigene, verändert sich das Empfinden menschlicher Verbundenheit meist schnell. In Befragungen zu Klimaprotesten konnte beobachtet werden, dass es neben der Identifikation mit anderen Protestierenden vor allem eine Rolle spielte, ob Freundinnen und Freunde an den Klimademonstrationen teilnahmen. Der dritte wichtige Faktor war ein persönliches Gefühl der Verantwortung, das den eigenen Werten entsprang, unabhängig davon, was andere taten oder dachten (Wallis&Loy, 2021).

Wie im Artikel zur Klimakommunikation bereits erwähnt, fühlen sich viele Menschen durch den Klimawandel und vor allem den gravierenden Auswirkungen stark verunsichert. Gerade in solchen Situationen suchen wir Halt und Sicherheit in einer Gruppe. Wir beobachten was die Mehrheit macht und orientieren uns danach: Je mehr Menschen wir auf dem Fahrrad sehen, desto plausibler erscheint uns selbst die Option zu radeln. So ist ein erster Schritt gegen das häufig vorherrschende Ohnmachtsgefühl allein nichts gegen das globale Problem Klimawandel ausrichten zu können, überwunden und es wächst eine Idee der Selbstwirksamkeit, einem weiterer Schlüsselaspekt! Je stärker das Gefühl der Selbstwirksamkeit, nämlich die Wahrnehmung, mit seinem Verhalten etwas verändern zu können, desto größer ist in der Regel das Engagement. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit wächst durch Vorbilder, mit denen wir uns gut identifizieren können wie beispielsweise Kollegen, Freunde oder Familie. Am stärksten beeinflussen uns Menschen, die uns wichtig sind. Besonders motivierend ist, wie bereits beschrieben, die Teilnahme in einem gleichgesinnten klimaaktiven Kollektiv, wodurch das Gefühl der Gruppenwirksamkeit gestärkt wird.

Klimaschützendes Verhalten entsteht sowohl rational, durch Einsicht; als auch emotional. Laut Erhebungen sind das zum einen negative Emotionen, etwa ein Schuldgefühl, weil man selbst zur Umweltzerstörung beiträgt, oder die Wut auf Regierung oder Unternehmen, die den Klimaschutz nicht priorisieren. Hinzu tritt die Angst – als zweischneidiges Schwert: Sie kann motivieren, aber auch lähmen. Auf motivationaler Ebene sind vor allem positive Emotionen relevant.

Problembewusstsein und -wissen, Identifikation und Verbundenheit mit anderen und der Natur, Selbst- und Gruppenwirksamkeit, soziale Normen und persönliche Werte, Gefühle und das Ablegen klimaschädlicher Gewohnheiten: All das sind Antreiber auf dem Weg zu mehr Klimaschutz.

Klimaschutz aktiv – so kann´s funktionieren

Eine viel erprobte Methode, um ins Handeln zu kommen, ist die WOOP-Motivationsstrategie von Gabriele Oettingen. Am Anfang steht ein Wunsch in Form eines wirkungsvollen und spezifischen Verhaltensziels (wish). Dann stellt man sich eine positive Zukunft vor, in der man das eigene Ziel erreicht hat (outcome), und im dritten Schritt überlegt man, welche Hindernisse einem momentan im Weg stehen (obstacles). Am Ende steht dann: das konkrete Vorhaben (plan).

Fangen Sie direkt an und formulieren Ihren individuellen WOOP-Weg. Besonders hilfreich sind „wenn, dann“ Formulierungen wie: „Wenn ich morgen einkaufen gehe, dann nehme ich eine Zutatenliste für ein vegetarisches Rezept mit.“


All Inclusive – Die wahren Kosten einer Reise

Stand: November 2020

Unser Konsum hat Einfluss auf die Umwelt und das Klima. Die damit verbundenen Kosten werden jedoch bei den Preisen, die wir für Produkte und Dienstleistungen zahlen, meist nicht berücksichtigt. Die neue Broschüre „All Inclusive – Die wahren Kosten einer Reise“ vom Global Nature Fund veranschaulicht, welche Umweltkosten anfallen, wenn man auf Reisen ist. Dazu zählen An- und Abfahrt, Hotel, Restaurant und Freizeitgestaltung.

Einen Großteil der Umweltkosten verursacht die An- und Abfahrt. Die nachhaltigste Variante ist der Zug oder das eigene Fahrrad. Wer hingegen mit dem Flugzeug reist, verursacht die meisten Umweltkosten. Zum Vergleich: Pro 100 Kilometer und pro Person verursacht die Anreise mit dem Flugzeug (Kurz- und Mittelstrecke) ganze 7, 33 Euro, während bei der Anreise mit dem Zug (Fernverkehr) die Umweltkosten unter 0,01 Euro liegen. Die Umweltkosten der Anreise mit einem PKW (Benzin) liegen bei 2,29 Euro.

Wer auf Mobilität angewiesen ist, aber eigentlich CO2-arm leben möchte, hat die Möglichkeit die Umweltkosten bei Dienstleistern wie atmosfair und myclimate zu kompensieren. Die Kompensationszahlungen werden genutzt, um Klimaschutzprojekte zu fördern. Allerdings machen weder die Kompensation noch das Klimaschutzprojekt die verursachten CO2-Emissionen ungeschehen. Wirklich ausgleichen lassen sich Umweltkosten nicht.

Wenn man am Ziel der Reise angekommen ist, fallen im Hotel weitere Umweltkosten an. Es ist Standard, dass in Hotels täglich Handtücher und Bettwäsche gewaschen und das Zimmer gereinigt wird. Zu Hause machen das die wenigsten Menschen. Wer Umweltkosten reduzieren möchte, verwendet Handtücher daher so lange wie zu Hause und wendet sich direkt bei der Ankunft an die Rezeption, um die Häufigkeit für die Zimmerreinigung zu besprechen. Des Weiteren ist es möglich von vornerein in einem „grünen“ Hotel zu buchen. Allerdings ist es schwierig sich im Label-Dschungel der Umweltsiegel für Hotels zu orientieren. Einfacher ist es, vorab mit dem Hotel zu sprechen. Viele Hotels sind stolz auf ihr individuelles Umweltengagement und informieren gerne hierüber. Zudem bekräftigt das Interesse an Nachhaltigkeitsthemen das Hotel darin, an den Bemühungen festzuhalten.

Urlauberinnen und Urlauber gehen häufiger in ein Restaurant als zu Hause. Einerseits werden dadurch kleine und mittelständische Gastronomiebetriebe gefördert und soziale und ökonomische Nachhaltigkeit unterstützt. Allerdings ist ein Restaurantbesuch umweltschädigender als das Kochen zu Hause. Um das Dilemma zu lösen, sind ein bewusster Konsum wichtig und das Wissen, wie sich die Umweltkosten des Essens zusammensetzen. Wichtige Fragen dabei beziehen sich zum Beispiel auf die Herkunft (Stammen sie die Lebensmittel aus der Region?) und Produktion der Zutaten (Sind sie fair und/oder ökologisch produziert?).

Es kann schwierig sein, im Restaurant Antworten auf diese Fragen zu erhalten. Jedoch können wir den mit Abstand wichtigsten Faktor leicht beeinflussen. Es ist die Wahl der bestellten Gerichte: Vegetarische und vegane Menüs verursachen in der Regel weniger Umweltkosten als Fleischgerichte, insbesondere wenn die Zutaten aus der Region stammen.

Wer im Urlaub ist, möchte auch etwas erleben. Je nachdem, welcher Beschäftigung man nachgeht, kann diese mehr oder weniger umweltverträglich sein. Auch hier muss man auf die Details achten. Grundsätzlich gilt: Je mehr Menschen eine Aktivität gemeinsam erleben, desto geringer fallen die Umweltkosten pro Person aus. Bei einem Kinobesuch sind dementsprechend die Umweltkosten geringer als bei einem Tauchausflug.

Bei manchen Aktivitäten, wie einem Spaziergang in der Natur fallen zunächst keine Umweltkosten an, jedoch nur solange keine Motoren vor Ort oder für die Hinfahrt angeworfen werden. Dennoch besteht die Gefahr, die Natur zu stören, wenn man nicht aufpasst, beispielsweise wenn man abseits der Wege in ungestörten Arealen wandert, Pflanzen zertritt, Tiere verschreckt und Abfall hinterlässt. Grundsätzlich ist der Schaden hoch, wenn man in eine vermeintlich ungestörte Natur eindringt.

Es wird deutlich, dass es wichtig ist – nicht nur auf Reisen, sondern generell – das eigene Konsumverhalten zu reflektieren, um die Umweltkosten so gering wie möglich zu halten.

Quellen:

Nachhaltige Mobilität – Die Technologien der Zukunft im Vergleich

Stand: November 2020

Die Mobilitätswende ist eine Grundvoraussetzung für ein klimaneutrales Deutschland. Verschiedene Technologien stehen zur Verfügung, um diesem Ziel näher zu kommen. Der Favorit: Elektroautos. Doch wieviel CO2 durch die verschiedenen Möglichkeiten des Antriebs tatsächlich eingespart werden kann, ist abhängig von zahlreichen Faktoren.

Um ein klares Bild zu erhalten, ist es notwendig, die gesamte Lebensdauer der Fahrzeuge zu betrachten, von der Herstellung über die Nutzung bis hin zum Recycling. Darüber hinaus müssen auch die volkswirtschaftlichen Kosten und die Treibhausgasemissionen miteinberechnet werden, die anfallen für den Aufbau der Tankstellen- und Ladeinfrastruktur sowie die Energiebereitstellung.

Schaut man lediglich auf die Herstellung der Fahrzeuge, verursachen Dieselautos die wenigsten Emissionen. Dieser Vorteil ist laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) jedoch nach 200.000 gefahrenen Kilometern aufgebraucht. Wenn jedoch zum Aufladen des E-Autos ausschließlich Solarstrom genutzt beziehungsweise der Wasserstoff für Autos mit Brennstoffzelle mithilfe von Windenergie hergestellt wird, erzeugt dies deutlich weniger Kohlenstoffdioxid und der anfängliche Vorteil der Dieselautos schwindet noch schneller dahin.

Zudem besitzen Dieselmotoren einen starken Nachteil: Sie sind für einen wesentlichen Anteil der Feinstäube und Stickstoffdioxid-Emissionen in der Stadt verantwortlich. Damit sind sie einer der Hauptverursacher schlechter Luft. Zudem waren die CO2-Emissionen von neu zugelassenen Diesel-PKWs 2019 im Schnitt sogar höher als von Benzinern. Dieselmotoren tragen daher nicht zum Klimaschutz bei.

Im direkten Vergleich zwischen Brennstoffzellen- und Elektroautos haben letztere mit einer Batterie bis 50 kWh und einer Reichweite bis 250 Kilometern einen geringeren CO2-Ausstoß, so die Studie des ISE. Auf langen Strecken jedoch sind die Brennstoffzellen im Vorteil.

Brennstoffzelle oder Elektroantrieb – beide haben ihre Vor- und Nachteile und ihre Berechtigung. Zahlreiche Expertinnen und Experten fordern daher einen gleichberechtigen Ausbau der verschiedenen Technologien. Die beste Wahl, um bereits heute klimaneutral unterwegs zu sein, ist und bleibt für Bürgerinnen und Bürger jedoch weiterhin das Fahrrad.

Quellen:


Aktuelle Studien zum Klimawandel: Wie können wir die 1,5 Grad-Grenze einhalten?

Stand: Oktober 2020

Der Klimawandel existiert. Und für den aktuellen, rapiden Temperaturanstieg gibt es nur eine Erklärung: Der Mensch verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt – hauptsächlich durch das Verbrennen von kohlenstoffhaltigen Energieträgern, wie Erdöl, Kohle und Erdgas.

Bereits heute sind die Folgen vielerorts zu spüren. So häufen sich in Deutschland etwa Wärme-Rekordjahre, Hitzewellen und Starkregenereignisse. Seit 1881 hat sich hierzulande die mittlere Temperatur der bodennahen Luft bereits um rund 1,9 Grad Celsius erwärmt – deutlich mehr als im weltweiten Durchschnitt. Weitere Fakten zum Klimawandel und dessen Folgen finden Sie hier; zusammengefasst durch Deutsches Klima-Konsortium, Deutsche Meteorologische Gesellschaft, Deutscher Wetterdienst, Extremwetterkongress Hamburg, Helmholtz-Klima-Initiative, klimafakten.de.

Wie wird sich das Klima in Zukunft entwickeln? Und was kann dagegen getan werden? Im Übereinkommen von Paris im Jahr 2015 hat die internationale Staatengemeinschaft vereinbart, die globale Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, möglichst aber auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Ein ambitioniertes Ziel, aber kein unmögliches Vorhaben. Viele der dafür notwendigen Technologien existieren und sind teilweise bereits finanziell konkurrenzfähig. Mit der gegenwertigen Politik wird das Ziel jedoch weit verfehlt. Selbst wenn die Regierungen alle bisherigen Zusagen für Emissionsminderungen einhalten, reicht das nur, um die Erwärmung auf rund 2,8 Grad zu begrenzen.

In einer aktuellen Studie hat das Wuppertal Institut nun mögliche Eckpunkte vorgelegt, die helfen können, das 1,5-Grad-Ziel bis 2035 zu erreichen. Hierzu zählen beispielsweise den Einbau fossiler Heizungen bei Neuinstallationen beenden (heute liegt der Anteil immer noch bei 80 Prozent) oder den Autoverkehr halbieren und die Kapazitäten des Öffentlichen Verkehrs verdoppeln. Weitere Schlüsselergebnisse der Studie finden Sie hier.

Um das 1,5 Grad Ziel zu halten, müssen Treibhausgasemissionen massiv und in einem nie dagewesenen Umfang reduziert werden. Klimaschutz muss in allen Politikbereichen an erster Stelle stehen. Selbst scheinbar kleine Beiträge zum Klimaschutz sind dabei hilfreich, denn jedes Zehntelgrad zählt. Eine Sturmflut etwa, die statistisch gesehen alle 500 Jahre auftritt, wird bei 1,5 Grad Erwärmung alle hundert Jahre erwartet – bei zwei Grad sogar alle 33 Jahre. Daher sind im Kampf gegen den Klimawandel nicht nur die Politik und die Wirtschaft gefragt, sondern auch wir, die Bürgerinnen und Bürger.

Quellen:

 


Gerechtigkeit, Transparenz, soziale Zugehörigkeit: Wovon hängt die Akzeptanz klimapolitischer Maßnahmen ab?

Stand: Oktober 2020

Ob bei einer Pandemie oder beim Klimaschutz – Politische Maßnahmen benötigen den Rückhalt und das Engagement der Bevölkerung.

Und eine Gesellschaft akzeptiert eine Maßnahme eher, wenn ihr genügend Informationen zur Verfügung steht und die Maßnahme als gerecht wahrgenommen wird. Nicht nur persönliche Konsequenzen beeinflussen dabei die Wahrnehmung, sondern auch die Auswirkungen auf andere Personen.

Bei Maßnahmen wie der CO2-Steuer beeinflusst zudem der Verwendungszweck der Einnahmen die Reaktion. Eine Studie kam zu dem Schluss, dass insbesondere dann Maßnahmen akzeptiert werden, wenn die Einnahmen für einen Belastungsausgleich sowie weitere Klimaschutzmaßnahmen genutzt werden. Auch eine an individuelle Umstände und Bedürfnisse gebundene Ausgestaltung kann die wahrgenommene Gerechtigkeit und somit Akzeptanz erhöhen, zum Beispiel wenn Menschen in ländlichen Gebieten, die stärker auf ein Auto angewiesen sind, weniger stark durch ein CO2-Steuer belastet werden.

Auch die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen und das Gefühl der kollektiven Wirksamkeit sind ausschlaggebend dafür, ob jemand eine Maßnahme akzeptiert. Psychologen/-innen gehen davon aus, dass derartige soziale Gruppenprozesse die generelle Wahrnehmung von und die Reaktion auf Krisen beeinflussen.

Jedoch bedarf es noch weiterer Forschung, um zu belegen, ob der Umgang mit der Corona-Krise auch die Wahrnehmung des Klimawandels beeinflussen kann. Wird etwa durch die erlebte Bedrohung durch die Pandemie eine Identifikation mit der gesamten Menschheit beflügelt? Wird dadurch die Gesellschaft eher klimapolitische Maßnahmen unterstützen, die der Menschheit zugutekommen? Und kann das Gefühl, gemeinsam etwas bewegen zu können, auch einen Effekt auf den Klimaschutz haben? Im Kampf gegen den Klimawandel wäre eine solche Entwicklung auf alle Fälle wünschenswert.

Quellen:
  • Germanwatch - Newsletter Nr. 96 - Klima Kompakt (Oktober 2020)
  • Reese, G., Hamann, K., Heidbreder, L., Loy, L., Menzel, C., Neubert, S., Tröger, J., & Wullenkord, M. (2020). SARS?Cov?2 and environmental protection: A collective psychology agenda for environmental psychology research. Journal of Environmental Psychology, 70, 101444 (https://bit.ly/3jNHgRW)
  • Maestre-Andrés, S., Drews, S., & Van den Bergh, J. (2019). Perceived fairness and public acceptability of carbon pricing: a review of the literature. Climate Policy, 19:9, 1186-1204.

Was unsere Lebensmittel wirklich kosten

Stand: September 2020

Der "wahre" Preis für Lebensmittel ist häufig viel höher, als wir tatsächlich an der Kasse bezahlen. Dies gilt insbesondere für Fleisch und Tierprodukte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Augsburg im Auftrag des Discounters Penny.

Demnach müsste Milch und Gouda fast das Doppelte kosten, Hackfleisch sogar das Dreifache. Der Grund: Umweltschäden und Folgekosten der Herstellung (zum Beispiel durch Treibhausgase und Überdüngung) bleiben bei der Festlegung des Preises unberücksichtigt. Den tatsächlichen Preis zahlen die Allgemeinheit und zukünftige Generationen in Form von Klimawandel und Umweltzerstörung.

Wenn man die Folgekosten mit einrechnen würde, bedeutet das konkret, dass 500 Gramm gemischtes Hackfleisch aus konventioneller Herstellung nicht 2,79 Euro, sondern 7,62 Euro kostet. Bei Obst und Gemüse fallen die Preisaufschläge hingegen geringer aus. Bananen würden beispielsweise 19 Prozent teurer werden, Äpfel sogar nur 8 Prozent. Generell gilt, dass bei Bioprodukten die Preisaufschläge durchweg niedriger ausfallen, als bei konventionell hergestellten Lebensmitteln.

Die Ergebnisse der Studie werden nun für ein Pilotprojekt genutzt. Der Discounter Penny nutzt die Rechenergebnisse, um in einem Supermarkt in Berlin bei acht konventionell und ökologisch erzeugten Produkten den "wahren" Preis anzugeben. Gezahlt wird jedoch weiterhin der "normale" Preis.

Das Forscherteam hofft nun, dass eine "doppelte Preisauszeichnung" sich auf das Einkaufsverhalten der Kundschaft auswirkt. Im Weiteren sprechen sie sich dafür aus, dass die Umweltfolgekosten schrittweise internalisiert und auf die Lebensmittelpreise aufgeschlagen werden. Eine Möglichkeit dies zu tun, wäre durch eine Besteuerung der CO2-Emissionen.

Auch wir als Kundinnen und Kunden können die Ergebnisse der Studie nutzen und unser Kauf- und Konsumverhalten anpassen. Zudem können wir vermeiden, Lebensmittel wegzuschmeißen und damit wertvolle Ressourcen zu verschwenden, beispielsweise indem wir möglichst regionale und saisonale Produkte kaufen, die Lebensmittel richtig lagern und nicht zu viel kaufen. Weitere Tipps zum Beispiel unter utopia.de.

Quellen:

Klima und Gesundheit

Stand: August 2020

Wenn sich das Klima erhitzt, steigen auch die Risiken für die menschliche Gesundheit. Hitzestress, Allergien und Infektionen sind nur einige der Folgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet den Klimawandel daher als die weltweit größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit. 2019 hat die internationale Expertenkommission Lancet Countdown in ihrer Stellungnahme für Deutschland verschiedene Risiken gelistet und unterstreicht, dass Klimaschutzmaßnahmen auch dem Schutz der Gesundheit dienen.  

Bereits jetzt sind der Klimawandel und die Folgen für die Gesundheit vielerorts spürbar. Hitzewellen belasten unseren Alltag, und können insbesondere für ältere, geschwächte und hilfsbedürftige Menschen lebensbedrohend sein. Gleichzeitig steigt die UV-Belastung, und damit die Gefahr von Sonnenbränden sowie das Risiko für schwarzen Hautkrebs, insbesondere bei Kindern. Zudem steigen an einem heißen Tag die Ozonwerten sowie die Konzentration von Feinstaub und anderen Schadstoffen in der Luft.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass in Deutschland Hitzewellen in Zukunft häufiger auftreten werden, mit besonders starken Auswirkungen in Innenstädten und Ballungsräumen. Zusätzlich werden in Deutschland auch mehr Stürme, Starkregen und Überschwemmungen erwartet. Derartige Extremwetterereignisse können ebenfalls unsere Gesundheit beeinflussen, sowohl direkt durch körperliche Verletzungen und Unfälle, als auch indirekt in Form von psychischen Belastungen wie Stress oder Traumata.

Durch die veränderten Klimabedingungen fühlen sich in Deutschland vermehrt auch die Erreger (Viren) als auch die Überträger (wie Moskitos oder Zecken) von tropischen Infektionskrankheiten wohl. Krankheiten wie Dengue, Chikungunya oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) können daher häufiger auftreten als bisher. Durch den Klimawandel verändert sich auch die Heuschnupfensaison. Insbesondere Allergiker/-innen und Asthmatiker/-innen leiden unter verlängerten Blütezeiten mancher Pflanzen. So fliegen Haselpollen zum Beispiel oft früher als vor einigen Jahrzehnten, teilweise bereits im Dezember. Auch neue Allergien können entstehen, beispielsweise wenn sich wärmeliebende Pflanzen und Insekten ausbreiten. Ein Beispiel ist der hochallergene Beifuß-Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia).

Aus diesen Gründen können Klimaschutzmaßnahmen auch dazu beitragen, Gesundheit und Leben zu schützen. Neben weniger Ausstoß von Treibhausgasen zählen auch Anpassungsmaßnahmen und Prävention hierzu. So sollten die Stadtplanungen den Anteil von Grün erhöhen. Denn Pflanzen in Parks, auf Dächern, an Fassaden etc. kühlen die Umgebung und entsiegelte Böden können bei Starkregenereignissen die Wassermaßen besser zurückhalten.

Zudem können verschiedener Warn- und Informationssysteme dabei helfen, die gesundheitlichen Gefahren besser zu kontrollieren, beispielsweise bei der Ausbreitung von Infektionen oder der Konzentration des Pollenfluges. Die Bürger/-innen müssen ihr Verhalten entsprechend anpassen. Und können auch darüber hinaus im eigenen Umfeld Klima- und Gesundheitsschutz betreiben, zum Beispiel über die Ernährung. Wer etwa weniger Fleisch und Wurst, dafür mehr saisonales und regionales Gemüse und Obst isst, schützt aktiv das Klima und die eigene Gesundheit 

Quellen:

Herausforderung des Klimaschutzes im Jahr 2020

Stand: April 2020

Der weltweite Klimaschutz steht vor einer neuen Ära - mit und ohne Corona. Das Jahr 2020 sollte das "Superjahr" für den Klimaschutz werden. So lautete der Plan des Paris Abkommens von 2015. Auch die im letzten Jahr gewachsene Zustimmung der Bevölkerung – etwa durch Fridays for Future – verlangte danach. Doch dann kam alles anders, und mit dem Coronavirus betrat eine weitere weltweite Bedrohung die Bühne.

Dadurch steht der Klimawandel jedoch nicht still. Im Gegenteil: Die Pandemie unterstreicht die Dringlichkeit für mehr Klimaschutz und ambitioniertere Klimapolitik. Anpassungsmaßnahmen und internationale Unterstützung werden wichtiger denn je, wenn Wetterextreme und andere Folgen des Klimawandels in Ländern auftreten, die bereits mit den Auswirkungen des Coronavirus zu kämpfen haben.

Ohnehin drängt die Zeit für mehr Klimaschutz. Im Paris Abkommen von 2015 hatten sich die Vertragsstaaten darauf geeinigt, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Im Jahr 2020 sollen sie ihre nationalen Klimapläne nachgebessert vorlegen, um diesem Ziel näher zu kommen.

Und diese Nachbesserung ist dringend nötig, denn es klafft eine Lücke zwischen Ziel und Realität. Alle bisherigen Zusagen aller Länder zusammen reichen längst nicht aus, die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen. Zahlreiche Länder, Regionen, Städte und Unternehmen durchlaufen zwar bereits eine tiefgreifende Transformation, einige andere Länder hingegen sind nicht einmal auf dem Weg, ihre unzureichenden Zusagen von 2015 zu erreichen. Um die Ziele des Paris-Abkommens doch noch zu erreichen, müssen die Zusagen für mehr Klimaschutz ambitionierter sein und Bemühungen intensiviert werden.

Die derzeitigen Maßnahmen im Kampf gegen Corona entscheiden stark über das Erreichen oder Verfehlen der Klimaziele. Die Ziele des Pariser Abkommens und der nachhaltigen Entwicklung (SDGs) sollten daher als Wegweiser dienen und Konjunkturprogramme zur Ankurbelung der Wirtschaft auf den Klimaschutz ausgerichtet werden.

Zusätzlich müssen die (nationalen) Pläne des Klimaschutzes stärker gesundheitliche Aspekte und die dazugehörigen sozialen Vorteile berücksichtigen. Der gesundheitliche Zusatznutzen kann immens sein. Und genauso nimmt die Widerstandsfähigkeit der Gesellschafft zu, unterschiedliche Arten von Krisen zu meistern.

Quellen:

Kurz und knapp: IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C globale Erwärmung (SR1.5)

Stand: August 2019

Die globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken ist technisch möglich und damit eine Frage des politischen und gesellschaftlichen Willens. Zu diesem Schluss kommt der Weltklimarat IPCC in seinem Anfang Oktober 2018 veröffentlichten Sonderbericht.

Die momentanen Zusagen der Staaten, wie sie ihre Emissionen bis 2030 reduzieren wollen, führen bisher jedoch zu einer langfristig um mindestens drei Grad erwärmten Welt. Um eine Begrenzung auf 1,5 Grad zu bewerkstelligen, sind eine Trendwende und drastische Minderungen der menschengemachten CO2-Emissionen in den nächsten zehn Jahren nötig. Schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen sind erforderlich, nicht nur in wirtschaftswichtigen Sektoren wie Energie, Transport und Industrieproduktion, sondern auch in vielen, anderen Lebensbereichen, etwa im Städtebau, bei der Konzeption neuer Infrastrukturen und der Nutzung von Land. Rückwirkende Maßnahmen, um CO2 aus der Atmosphäre herauszuziehen, werden im Bericht lediglich als komplementäre sowie problematische und ungewisse Methoden wahrgenommen. Es wird als deutlich effektiver angesehen, von vornherein weniger CO2 zu emittieren, als später zu versuchen, den Prozess wieder umzukehren.

Der IPCC-Bericht bündelt Studien über alle Ökosysteme und untermauert damit, welche Folgen die Erderwärmung bis jetzt schon hatte und welche Folgen sich bei einem weiten Anstieg um 1,5 oder zwei Grad ergeben werden. Jede kleinste weitere Erwärmung wird einen erheblichen Unterschied für die künftigen Lebensbedingungen von Mensch und Natur machen. Eine Erwärmung von 1,5 Grad ist folglich mit deutlich geringeren Risiken verbunden. Mehrere 100 Millionen Menschen weniger würden Klimarisiken und damit Armut ausgesetzt werden, der Meeresspiegelanstieg würde geringer ausfallen, genauso wie das Abtauen der Pole und der Verlust der Biodiversität. Die Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad ist auch über den Klimaschutz hinaus vorteilhafter als eine stärkere Erhitzung. Denn Maßnahmen des Klimaschutzes können dazu beitragen, das Wohlbefinden der Menschen durch beispielsweise verbesserte Luftqualität und Gesundheit zu steigern. Das wiederum steigert die Arbeitskraft und damit das Bruttosozialprodukt. Die Kosten, die anfallen, um rasch Gegenmaßnahmen gegen die globale Erwärmung einzuleiten, dürfen folglich nicht gescheut– nicht nur um den Klimawandel zu stoppen, sondern auch um das generelle Wohlbefinden der Menschheit zu steigern.

Mehr Informationen bietet die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policymakers).